Das Agrarumweltmonitoring (AUM) des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) vermittelt einen Überblick über die ökologische Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft. So werden in verschiedenen Bereichen (Stickstoff- und Phosphorkreislauf, Energie, Kima, Boden, Wasser, Biodiversität und Landschaft) Informationen gesammelt, um den Einfluss der Landwirtschaft auf die Umweltqualität und die Reaktion der Umwelt auf die landwirtschaftliche Praxis zu beobachten und zu messen. Die Rechtsgrundlage für das Monitoring bildet die Verordnung über die Beurteilung der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Diese besagt, dass sich das AUM auf Agrarumweltindikatoren stützen soll, welche mit den internationalen Normen vergleichbar sind und die quantitativen und qualitativen Auswirkungen der Agrarpolitik auf nationaler, regionaler und betrieblicher Ebene beurteilen.

Nutzen des AUM

Das AUM ist in erster Linie eine wichtige Informationsgrundlage für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik, da damit beispielsweise realistische und für die Landwirte tragbare Agrarumweltziele festgelegt werden können. Im AUM werden aktuelle Umwelttrends in der Landwirtschaft erkannt, was ein wichtiger Ausgangspunkt für eingehendere wissenschaftliche Studien darstellt. Ausserdem kann anhand eines Datenabgleichs zwischen dem AUM und Wirtschaftsmonitoring-Programmen die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft beurteilt werden. Und angesichts des wachsenden Interesses für Umweltfragen informiert das AUM die breite Öffentlichkeit über die agrarökologischen Herausforderungen der Landwirtschaft. Nicht zuletzt kann sich die Schweiz im Vergleich mit den Agrarumweltleistungen anderer Länder international positionieren.

Rahmenkonzept und Systematik der Agarumweltindikatoren

Anhand von Agrarumweltindikatoren (AUI) beurteilt das BLW mit dem AUM periodisch die Entwicklung der Umweltleistungen und die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt und die Ressourcen. Um die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung darzustellen, umfasst das AUM drei Kategorien von AUI: Die AUI «Antriebskräfte» zeigen die Entwicklung auf bei den verschiedenen Produktionsmitteln oder landwirtschaftlichen Praktiken, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um der Nachfrage nach Lebensmitteln nachzukommen; die AUI «Umweltauswirkungen» messen die quantitativen und qualitativen Auswirkungen der landwirtschaftlichen Prozesse wie beispielsweise die Treibhausgasemissionen; und die AUI «Umweltzustand» beschreiben den Zustand der Umwelt an sich oder das genaue Ausmass der Folgen der landwirtschaftlichen Praxis in einem gegebenen Ökosystem. Diese Kategorisierung ist eine Vereinfachung des DPSIR-Modells (Driving forces, Pressures, States, Impacts and Responses) der Europäischen Umweltagentur. Beim AUM ist das BLW namentlich für die AUI zu den Antriebskräften (landwirtschaftliche Praxis) und den Umweltauswirkungen (landwirtschaftliche Prozesse) zuständig. Zudem befasst sich das BLW zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) mit der Erarbeitung und Beobachtung der Indikatoren zur Beurteilung des Umweltzustandes und seiner Entwicklung. Innerhalb dieser drei Kategorien erstreckt sich das AUM auf AUI in den folgenden Kernbereichen: Stickstoff, Phosphor, Klima, Energie, Wasser, Boden, Biodiversität und Landschaft.

Systematische Rekapitulation der AUI

 Antriebskräfte
Landwirtschaftliche Praxis
Umweltauswirkung
Landwirtschaftlicher Prozess
Umweltzustand1
Stickstoff (N)N-Bilanz der LandwirtschaftPotenzielle, N-Verluste, NH3-EmissionenNitrat im Grundwasser
Phosphor (P)P-Bilanz der LandwirtschaftP-Gehalt der BödenP-Belastung Seen
Energie / KlimaEnergieverbrauchEnergieeffizienz, Treibhausgas-emissionen 
 
Wasser

Einsatz von PSM, Einsatz von TAMRisiko von aquatischer ÖkotoxizitätBelastung Grund- wasser durch PSM und TAM
BodenBodenbedeckungErosionsrisiko,
Humusbilanz,
Schwermetallbilanz
Schadstoffgehalte, Bodenqualität
Biodiversität / LandschaftBiodiversitäts-förderflächen, Landschafts-qualitätsprojektePotenzielle Auswirkungen der landwirtschaftlichen Tätigkeiten auf die BiodiversitätALL-EMA
LABES

1 in Zusammenarbeit mit dem BAFU, PSM: Pflanzenschutzmittel, TAM: Tierarzneimittel, ALL-EMA: Arten und Lebensräume Landwirschaft - Espèces et milieux agricole, LABES: Landschaftsbeobachtung Schweiz

Berechnung und Follow-up der AUI

Die AUI auf nationaler Ebene werden anhand von landesweiten Statistiken berechnet. Diese gesamtschweizerischen AUI wie auch andere wichtige agrarökologische Daten werden jährlich aktualisiert und gehen so weit als möglich bis zum Anfang der 1990er Jahre zurück.

Da die AUI aus stark aggregierten Zahlen resultieren, können hier Schwankungen auf nationaler Ebene nicht mit dem regionaler Kontext oder bestimmten landwirtschaftlichen Praktiken in Verbindung gebracht werden. Aus diesem Grund ist das BLW seit 2009 bestrebt, ein AUM auf regionaler und auf betrieblicherEbene durchzuführen und weiterzuentwickeln. Analog zur Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten (ZA-BH) liefert die Zentrale Auswertung von Agrarumweltindikatoren (ZA-AUI) die zur Berechnung der AUI auf regionaler und auf betriebliecher Ebene erforderlichen Daten. Heute liefern 250 bis 300  Landwirte jedes Jahr freiwillig und in Zusammenarbeit mit ihrer Treuhandstelle detaillierte Daten an die ZA-AUI. Die AUI auf regionaler und auf betrieblicher Ebene werden vom AUI-Kompetenzzentrum bei Agroscope berechnet und im Agrarbericht publiziert. Die ersten Ergebnisse der ZA-AUI wurden in den letzten Agrarberichten publiziert (2012: AUI rund um die Themen Wasser und Stickstoff; 2013: Biodiversität und Landschaft; 2014: Phosphor und Boden). Im Agrarbericht 2015 werden die AUI zu den Themen Energie und Klima durchleuchtet. Wie bei den gesamtschweizerischen AUI werden die AUI, die anhand der Betriebsdaten der ZA-AUI berechnet werden, in eine Übersichtstabelle, die derzeit entwickelt wird, zusammengefasst und jährlich aktualisiert.

Entwicklungsperspektiven für die ZA-AUI

Auch wenn die ZA-AUI bereits besseren Aufschluss gibt über die Verhältnisse zwischen Agrarumweltleistung und landwirtschaftlicher Praxis, soll das Netzwerk an Betrieben, die sich an der ZA-AUI beteiligen, weiter ausgebaut werden, um die Repräsentativität zu erhöhen. Ausserdem muss die Qualität der gelieferten Daten noch verbessert werden. Die Umsetzung der ZA-AUI bleibt eine Herausforderung: Auf der einen Seite muss der Landwirt die Beteiligung an diesem Projekt in einen bereits gut ausgelasteten Alltag integrieren und auf der anderen Seite müssen die Wissenschaftler bei Agroscope die gelieferten Betriebsdaten verarbeiten und auswerten. Um mehr Betriebe für das Projekt zu gewinnen, wurden und werden Massnahmen getroffen, die die Datenlieferung an Agroscope vereinfachen sollen. Hierzu zählen namentlich:

die Anpassung und Erhöhung der Entschädigung für die Lieferung von Betriebsdaten;

die stete Verbesserung der Software für die Datenerfassung und die Entwicklung einer Smartphone-Applikation, womit ein Grossteil der Daten direkt im Feld erfasst werden kann;

die Lockerung der Teilnahmebedingungen ab 2016: für eine Teilnahme an der ZA-AUI werden die Landwirte ermuntert – und nicht mehr verpflichtet – ihre Buchhaltungsdaten zu liefern;

die Weiterentwicklung der Projektdokumentation (Flyer, Richtlinien für die erste Teilnahme, Newsletter, Ausbau der Infotage für teilnehmende Landwirte);

die Erarbeitung eines Rahmenkonzepts seitens Agroscope, um allen Landwirten, die der ZA-AUI Daten liefern, eine individuelle agrarökologische Leistungsanalyse aushändigen zu können und so das Interesse an einer Projektbeteiligung zu erhöhen;

die konzeptuelle Arbeit von Agroscope, um bereits vorhandene Daten aus anderen Quellen zu nutzen und so die Menge der zu erfassenden Daten zu reduzieren.

Jérôme Frei, BLW, Fachbereich Agrarumweltsysteme und Nährstoffe, jerome.frei@blw.admin.ch